Vom Flurfunk zum Format – AI-Cafés und Communities of Practice als Türöffner

Nach dem ersten Impuls stellt sich häufig eine entscheidende Frage: Wie bleibt das Thema KI präsent, ohne dass es von Meeting zu Meeting an Relevanz verliert? Viele Organisationen suchen nach einem Format, das niederschwellig, kontinuierlich und teamnah funktioniert. Zwei Begriffe tauchen dabei immer häufiger auf: AI-Cafés und Communities of Practice (CoPs). Doch was genau steckt dahinter und wie wirken diese Formate?

AI-Cafés – kein Frontalunterricht, sondern Raum für Austausch

Ein AI-Café ist kein Vortragsslot und kein offizielles Training. Es ist ein offenes Format, in dem Teammitglieder freiwillig und informell über ihre Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz berichten. Häufig findet es über die Mittagspause, als Coffee-Session oder als kurzes Format vor dem Daily statt. Entscheidend ist: Der Impuls kommt aus dem Team selbst.

Sprich: Jemand hat ein neues Tool ausprobiert und teilt die Erkenntnisse mit Kolleg:innen. Oder jemand bringt eine Fragestellung mit, über die diskutiert werden kann – zum Beispiel: „Wie schätzt ihr eigentlich die Nutzung von Copilot bei Tests ein?“ Daraus können im besten Fall Anschlussaktionen entstehen: ein Mini-Experiment im nächsten Sprint, ein Prompt zum Weiterentwickeln oder eine kleine Taskforce, die ein neues Tool bewertet.

Warum sind AI-Cafés wirksam?

Weil sie informell und bedarfsgetrieben sind. Sie erzeugen keine Pflicht, aber oft hohe Motivation – gerade weil sie keinen offiziellen Lerncharakter haben. Das Lernen geschieht hier durch Zuhören, Mitdiskutieren und Nachfragen – also über soziale Prozesse. Wir würden dieses Format daher eindeutig dem Gruppenlernen zuordnen. Es lebt von der Interaktion, der Ungezwungenheit und der direkten Relevanz für den Arbeitsalltag.

Wichtig ist: AI-Cafés funktionieren nur dann nachhaltig, wenn sie von den Teams getragen werden – nicht von der Führung „verordnet“ werden. Sobald der Eindruck entsteht, dass „jetzt alle bitte einmal pro Monat über KI sprechen sollen“, geht der Charme verloren. Unsere Empfehlung: Die Initiative muss aus dem Team kommen. Führungskräfte können bestenfalls Raum geben und Neugier fördern – nicht aber Themen oder Formate aufzwingen.

Communities of Practice – geteiltes Wissen strategisch nutzbar machen

Eine Weiterentwicklung der AI-Cafés, kann z.B. eine Community of Practice sein. Hier schließen sich Menschen zusammen, die ein gemeinsames Interesse – in unserem Fall: KI in der Softwareentwicklung – teilen. Während die AI-Cafés einen allgemeineren, informierenderen Charakter aufweisen, beschäftigen sich CoPs häufig mit konkreten Themen über einen längeren Zeitraum.

Eine Community kann ein monatliches Meeting sein, eine Chatgruppe oder ein internes Wiki. Oftmals agieren Communities auch kuratierend: Sie sammeln interessante Tools, evaluieren sie und geben Empfehlungen an die Teams. Damit gewinnen sie eine zusätzliche strategische Rolle – wobei sie auch die Verbreitung von Innovationen im Unternehmen gezielt unterstützen können.

Lernen oder Lehre? Oder beides?

AI-Cafés sind klar als Gruppenlernformate einzuordnen: freiwillig, erfahrungsbasiert, interaktiv. CoPs hingegen bewegen sich an der Grenze zwischen Lernen und Lehre. Zwar sind sie oft freiwillig organisiert, aber dienen häufig auch dazu, Wissen zu kuratieren und Anderen zur Verfügung zu stellen – also eine gewisse Form von Lehre zu leisten, ohne frontal zu werden. Gerade in komplexen Organisationen kann das ein entscheidender Hebel sein, um Erfahrungswissen zugänglich zu machen.

Fazit: Raum geben und Vertrauen schenken

AI-Cafés und Communities of Practice können zentrale Bausteine für eine nachhaltige KI-Nutzung sein – wenn sie richtig eingesetzt werden. Sie leben von der Eigeninitiative, nicht vom Top-down-Mandat. Führung kann hier nicht steuern, sondern muss Vertrauen darin schenken, dass sich dort, wo Interesse besteht, auch Relevanz entwickeln wird. Und genau darin liegt ihre Kraft: Sie machen Lernen sichtbar, greifbar und anschlussfähig – ganz ohne Zwang.

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