Wie Planung, Erfolg und New Work zusammenhängen

In der New Work Unconference in München am 12. Juni 2015 sprachen wir in der ersten Session über einen Blog Artikel von Lars Vollmer auf larsvollmer.com. Unter dem Titel „New Work – Doch nur eine Schnapsidee?“ schreibt er, warum er das Thema ad acta legt.

Er schließt mit den Worten:

„Viel spannender als die Frage, wie Unternehmen Arbeit schöner – oder gar ‘artgerechter’ – machen können, finde ich nämlich, wie Unternehmen im sich ständig verändernden Markt wettbewerbsfähig bleiben können. Und die Arbeit? Die folgt dann schon, ganz von alleine.“ 

Ich fand, dass etwas damit nicht stimmt. Was beim Nachdenken darüber herausgekommen ist, ist eine einfache Formel, die ich teilen möchte.

Ich betrachte Glaubenssätze oder, in den Worten von Peter Senge, „mentale Modelle“ zum Unternehmenserfolg, und zwar der Form:

X beschert mir Y, der Rest kommt von selbst. Daraus folgt: Wenn ich X plane oder vorgebe, werde ich Erfolg haben.

Und so sehe ich die jeweils prägenden Glaubenssätze:

  • Traditionelles Management: X = Arbeitsteilung und Budgetziele, Y = Umsatz und Gewinn.
  • New Work: X = Freiräume und Sinn, Y = großartige Produkte und Dienstleistungen.
  • Lars Vollmer: X = spannend, Y = Wettbewerbsfähigkeit im sich ständig verändernden Markt.
  • Meine Sicht: X = am Kunden (besser: am Markt) ausgerichtete Organisation, Selbstverantwortung, Führung zur Selbstführung, Y = großartige Produkte und Dienstleistungen (und wahrscheinlich nebenbei New Work).

Im traditionellen Management wird der unternehmerische Erfolg in Form von Budgetzielen geplant. Diese Planung heißt auch so und jeder hat solche Pläne schon gesehen. Ebenso durch Planung vorgegeben ist aber auch, wer wofür zuständig ist. Dass die einen Menschen sich die optimale Arbeitsteilung ausdenken und die anderen sich daran gefälligst halten, ist eine der großen Ideen des Taylorismus, wenn ich es richtig verstanden habe. Und für Organisation für Komplexität, wie Niels Pfläging es nennt, eines der großen Probleme.

New Work so, wie Lars Vollmer es darstellt, ist Selbstzweck. Der Begriff „artgerechtere“ Arbeit stellt einen Bezug zum Tierschutz her. Ich sehe das anders. Es dürfte den Menschen, die sich dafür engagieren, durchaus darum gehen, etwas Großartiges zu schaffen.

Für ihn gehört New Work jedenfalls zum Rest, der von selbst kommt. Er geht nicht darauf ein, dass Unternehmen darin versagen können, sich dem Markt anzupassen, sondern erklärt nur, warum New Work als X für ihn nicht in Frage kommt. Besonders schlüssig ist dieser Gedanke für mich nicht, wenn ich davon ausgehe, dass die rechtzeitige Anpassung des Unternehmens an veränderte Bedingungen keineswegs selbstverständlich ist.

Meine Sicht ist, dass die Fähigkeit des Unternehmens, die Probleme seiner Kunden zu lösen und auf die Forderungen des Marktes schnell und angemessen zu antworten, von immer größerer Bedeutung für den Erfolg und das Überleben ist. Das Bedürfnis eines Menschen, mit dem wir persönlichen Kontakt haben, aktiviert uns einfach mehr als ein Stellvertreter. Deshalb ist das Wichtigste, diejenigen Menschen im Unternehmen an diese Forderungen zu koppeln, die sie beantworten und lösen können. Für schnelle Reaktionen dürfen die Entscheidungswege nicht zu lang sein, deshalb muss dort Selbstführung gelingen. Adaptive Organisation.

Wir dürfen aber auch nicht übersehen, dass der Markt noch lange davon geprägt sein wird, dass nach mehr vom Selben aber billiger verlangt wird. Vielleicht hört das auch nie auf. Mit unseren adaptiven Organisationen oder Organisationsteilen sehe ich uns noch eine geraume Zeit in der Minderheit. Die Frage, ob New Work, wenn es denn der richtige Ansatz für adaptive Organisation ist, der richtige Ansatz für alle Unternehmen ist, wird in der Begeisterung ja oft nicht mehr gestellt. Schöne und selbstbestimmte Arbeit wird nur dort möglich sein, wo der Markt sie belohnt, davon bin ich überzeugt.

Geschrieben von Stephan Merkel

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Iza Wilkosz